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Müde? ich doch
nicht!?
Der Weg zur Routine
In der Fahrschule war uns bewusst, wie komplex
und vielseitig die Anforderungen an uns Mensch sind, um
Augen, Hände, Beine, Füße so in Aktion zu bringen, dass das
Auto die verschiedensten Fahrbewegungen ausführte, wie wir
es uns vor-stellten. Nach mehreren Übungsstunden schien
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es fast von
alleine zu gehen, natürlich nur mit viel Konzentration,
gezielten Blickkontakten, dem bewuss-ten Einlegen der
jeweiligen Gangstufe und dem vorsichtigen Bemessen der
Abstände mit regelmäßigem Blick auf den Tacho. |
Weite Strecken und schwierige
Verkehrsverhältnisse in engen Innenstädten traute man sich
anfangs als Fahranfänger nicht unbedingt zu, weil es Kräfte
zehrend war und damit vielleicht auch keinen Spaß machte.
Im Laufe der Zeit jedoch macht sich Erfahrung breit; Routine
regelt viele kleine, aber wichtige Handlungen, fast von
selbst.
Fahrbegleitende Vorgänge wie Schauen, Schalten,
Geschwindigkeit und Umgebungsgefahren einschät-zen,
Fahrbahnwechsel und vieles mehr werden wie von einem
Automatismus gesteuert. Es ist einleuch-tend, dass die beste
Routine nicht ohne entsprechende Aufmerksamkeit für die
wichtigen Augenblicks-informationen auskommt.
Verlust der Aufmerksamkeit
durch …
Was jedoch tritt ein, wenn die Aufmerksamkeit, sei es durch
Ablenkung oder durch Übermüdung, beein-trächtigt wird.
Fehlende Aufmerksamkeit löst einen Informationsverlust aus.
Noch so routinierte und antrainierte Hand-lungsmuster können
nicht rechtzeitig einsetzen, wenn der entscheidende Impuls
fehlt, um die mecha-nischen Abläufe in Gang zu setzen.
Nach einer amerikanischen Studie wurden 77 % der Unfälle in
der Luftfahrt und 52 % der Unfälle in der Energieindustrie
durch Übermüdung verursacht. Selbst dem tragischen
Flugzeugunglück aus dem Jahre 2002 in Überlingen wird diese
Ursache zugeschrieben.
Auch mehrere Untersuchungen aus Deutschland belegen die
Gefahr für den Straßenverkehr durch übermüdete Kraftfahrer.
So schätzt ein Schlafforscher (Jürgen Zulley, Uni
Regensburg) die Kosten aus übermüdungsbedingten
Verkehrsunfällen auf 2 Milliarden Euro mit dem Bemerken,
dass Übermüdung häufiger als Unfallursache
in Frage komme als Alkoholkonsum.
Jeder vierte Unfall sei auf Kraftfahrer mit
Ermüdungserscheinungen zurückzuführen, weist bereits eine
Untersuchung des HUK-Verbandes aus dem Jahr 1991 nach.
Gelegenheiten
Übermüdung ist zwar Tagesgespräch bei den LKW-Fahrern, aber
es ist auch ein Thema bei den automo-bilen Fernreisen oder
etwa bei den Discoteenies, die nach einer harten
Arbeitswoche noch locker ein,
zwei heiße Disconächte anhängen und dabei für Hin- und
Rückfahrt auf das Auto angewiesen sind.
Schlaf wird aufgespart, Schlaf heißt Passivität, Schlaf
bedeutet Zeitverlust und Lustverzicht.
Die heutige Gesellschaft fordert Aktivität, es muss „was
gehen“.
Das Risiko für die eigene Gesundheit wird verdrängt. Es wird
auch missachtet, dass das mit Reizen und Verkehrsdichte
überladene Verkehrssystem aber nach dem wachen,
konzentrierten Menschen verlangt, der im Vollbesitz seiner
Wahrnehmungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz am
Straßenverkehr teilnimmt.
Die gesetzliche Forderung an den Kraftfahrer ist eindeutig:
Er muss sein Kraftfahrzeug unter allen Um-ständen
beherrschen, eingetretene Defizite muss er ausgleichen
können. Schafft er dies nicht, muss
das Fahrzeug stehen bleiben.
Ermüdungserscheinungen können viele Ursachen habe, die in
ihrer Breite hier nicht erörtert werden können.
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Passt die
Selbsteinschätzung? |
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Treffen Sie
Vorsorge, indem Sie vor und während der Fahrt auf
Aufmerksamkeitsdefizite achten. Treffen Sie eine
ehrliche Einschätzung Ihrer momentanen Konstitution!
Häufig kündigen sich die Defizite an. Entweder durch
nachlassende Konzentration, durch offen-sichtlich
verlangsamtes Reagieren, eine ungelenke Fahrweise mit
dem ständigen Erfordernis nachzusteuern, der „Schwere“
der Augenlieder oder deren wiederholtes Zufallen oder
das Gefühl der Bewegungseinschränkungen von Armen und
Beinen. Manche Kraftfahrer berichten, dabei in eine Art
Dämmerzustand zu fallen, wobei die Wahrnehmung
wesentlich eingeschränkt sei. |
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Die
Müdigkeit ist keinesfalls auf die dunkle Tageszeit
beschränkt; haben Sie in der Nacht keinen erholsamen
Schlaf gefunden, kann der Leistungsmangel
selbstverständlich auch bei Tageslicht eintreten. |
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Nicht nur
LKW-Fahrer droht das Handicap, eine monotone Strecke
mit gleichförmiger Ge-schwindigkeit und anspruchloser
Streckenführung bewältigen zu müssen.
Lässt die Konzentration nach, wird das Reaktionsvermögen
langsamer. Die Bewegungsabläufe im Hinblick auf
Spurhalten, Schalten, Bremsen, Aus- und Einscheren
werden zunehmend ruck-artig ausgeführt. |
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Insbesondere
bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen führen
erste Ermüdungserschei-nungen zu einer Beeinträchtigung
der Sehschärfe. Bemüht sich der Fahrer in diesen Fällen,
das Sehschärfendefizit durch konzentriertes, aktives
Schauen auszugleichen, wird dadurch der
Er-müdungsprozess beschleunigt.
Aufmerksamkeitsschwankungen sind die Folge.
Automatisierte Bewegungsabläufe, die bei einem
ausgeruhten, erfahrenen Kraftfahrer Garant für ein
sicheres Fahren sind, entfallen. Je nach Ermüdungsgrad
muss gezielt und bewusst korrigiert werden.
Unterbricht der Fahrer nicht spätestens in diesem
Stadium seine Fahrt, um eine Pause einzu-legen, begibt er
sich in die akute Gefahr, für einige Sekunden mit allem
aufzuhören, was er kurz zuvor noch aktiv tat. Diesen
Zustand nennen wir „Sekundenschlaf“. Trotz geöffneter
Augen registriert der Fahrer nicht, was er tut und wo er
fährt. |
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Verzichten
Sie auf Hilfsmittel, die in ihrer Wirkung fragwürdig
sind:
Weder koffeinhaltige Getränke noch ein paar Schritt an
der frischen Luft oder ein lautes Radios sind geeignete
Wachmacher. |
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Nehmen Sie
sich den Schlaf, den sie brauchen und lassen Sie sich
ablösen oder das Kraftfahr-zeug so lange stehen.
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Geben Sie sich, Ihrer Familie, Ihrer Firma und anderen
die Chance, heil ans Ziel zu kommen!
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