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Kinder und Eltern sind bei der Medienerziehung
gefragt.

Der beste Schutz ist Vertrauen.
Computer ist auch im Kindergarten-Alter sinnvoll – Beschränkung ist nötig.
   
„Meinem Kind einen Computer? Den hatte ich früher auch nicht, es soll lieber rausgehen zum Spielen.“ Wer als Vater oder Mutter so denkt, hat nur zum Teil Recht. Bewegung und Erfahrungen in der Natur sammeln sind für Kinder wichtig – Medienkompetenz aber auch.
   
Wissenschaftler sind besorgt über den ausgiebigen Medienkonsum Jugendlicher in Deutschland.
Je 80 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren besitzen einen eigenen Rechner – jeder zehnte Teenager gilt nach einer Berliner Studie als „exzessiver Computernutzer“. Nach einer Untersuchung vom Herbst vergangenen Jahres verbringen laut des Ärztlichen Direktors der Ulmer Universitätsklinik für Psychiatrie, Prof. Manfred Spitzer, bereits Zweijährige zwei Stunden täglich vor dem Bildschirm. Deshalb wundere es nicht, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum in der ganz frühen Kindheit und späteren Aufmerksamkeitsstörungen gebe.
Auf der anderen Seite ist jedoch auch die viel beschworene Medienkompetenz wichtig. In vielen Schulen wird die PC-Nutzung als Lernmittel vorausgesetzt. In späteren Lebensjahren sind der Umgang mit Computern und Software oftmals Voraussetzungen, um überhaupt einen Arbeitsplatz zu bekommen. Wer als Kind bereits Grundkenntnisse mitbringt, hat Vorteile.
Zudem sollten Kinder auch den zeitlichen Umgang lernen. Wie beim Taschengeld ist Selbstdisziplin wichtig, damit als Erwachsener nicht grenzenlos Bedürfnissen nachgegeben wird. Dies Kindern beizubringen, ist Elternaufgabe.
Grundsätzlich raten Mediziner:
  • Ein Kind darf Erfahrungen am PC sammeln, muss es aber nicht. Bei Desinteresse sollte kein Druck ausgeübt werden.
  • Jungen und Mädchen unter 12 Jahren sollten keinen eigenen Fernseher oder Computer besitzen.
  • Der Computer ist kein Babysitter. Kinder dürfen dort nicht "geparkt“ werden.
  • Eltern müssen sich mit Kindern über die Erfahrungen am PC unterhalten, damit der Bezug zur Wirklichkeit nicht verloren geht.
  • Computerspiele sind so faszinierend, dass Kinder darüber leicht die Zeit vergessen und ihre Fähigkeiten überbeanspruchen. Um keinen Stress auszulösen, beträgt die empfohlene Zeit bei Kindern im Grundschulalter 20 bis 30 Minuten pro Nutzung. Kinder zwischen 10 und 13 Jahren bis zu 60 Minuten und Jugendliche 90 Minuten. Schon für Dreijährige gibt es Lern- und Spielpro-gramme, in den USA wird Software bereits für Babys ab sechs Monaten angeboten. In Deutschland haben Kindergärten gute Erfahrungen mit Computern und einer maximalen täglichen Zeit von 20 Minuten pro Kind gesammelt. Die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen. Spezialisten empfehlen, zusammen mit dem Kind altersgerechte Software auszusuchen und bei ihnen ein Bewusstsein für Qualität zu entwickeln. Bei den Folgen von Gewalt-Spielen für Ältere sind sich Experten ebenfalls nicht einig. Umstritten ist, ob diese Aggressionen aufbauen, Ängste erzeugen, die Spieler abstumpfen oder sogar ein sinnvolles Ventil für Aggressionen sind. Altersfreigaben sollten Eltern dabei nur bedingt als Anhaltspunkt dienen: Realistische Tötungsszenen bei „Counter-Strike“ oder Blutorgien bei „Doom 3“ dürfen zwar erst ab 18 Jahren gespielt werden. Doch Jugendliche finden meist einen Weg, zu den, durch Verbote noch attraktiveren Spiele zu kommen – und sei es übers Internet. Das Wichtigste ist auch hier: Eltern müssen sich informieren und mit ihren Kindern über die Spiele sprechen. Lieber zusammen als alleine, dies gilt auch für das Internet. Kleine Kinder sollten nicht unkontrolliert surfen. Schutzfilter verhindern vielleicht das Aufrufen von Seiten. Schaden droht den Jungen – und vor allem – Mädchen aber auch in beliebten Chats. Pädophile nutzen diese Plauderecken, um ihre Opfer zu finden. Eltern sollten Kinder nicht alleine lassen, mit ihnen reden und auch Jugendliche auf die Gefahren hinweisen. Ein Experte: „Das Programm ist Vertrauen.“
INFO
Ratgeber für Kindersoftware:
www.spielgut.de; Gute Seiten für Kinder, Jugendliche, Eltern: www.kbs-koeln.de/24youth.
htm; Beurteilung von 400 Spielen: www.bpb.de/snp/

Quelle Südwestpresse vom 02.12.2004